Das war unser grosses, festliches Konzert
am Sonntag den 14. November 2010
im großen Saal des Erholungshauses in Leverkusen.

An diesem Nachmittag spielten wir vor einem begeisterten Publikum, gemeinsam mit dem Streichorchester der Musikschule, ein sinfonisches Konzert voller sprühender Farben, voller Dynamik, voller Emotionen und Spannung, wie sie nur wenige Konzerte zu erzeugen vermögen. Wir spielten:

Bilder einer Austellungvon Modest Mussorgskij
(1839 - 1881)


Mussorgskij schrieb dieses Werk im Andenken an seinen engen Freund Victor Hartmann.
Victor Hartmann, Architekt und Maler, schuf einige der eindrucksvollsten Bauten in St. Petersburg so die Admiralität und auch das berühmte Denkmal „1000 Jahre Russland“, das 1862 in Nowgorod eingeweiht wurde.
Hartmanns plötzlicher Tod im Jahre 1874, Hartmann war gerade 39 Jahre alt, traf Mussorgskij schwer: “ Mein lieber Freund, was für ein fürchterlicher Schlag! Warum soll ein Hund, ein Pferd, eine Ratte leben und Geschöpfe wie Hartmann müssen sterben!“ schrieb er an seinen Mentor Vladimir Stasoff, der damals Leiter der Gemäldegalerie des Zaren war. Aber Mussorgskijs Kummer fand bald ein künstlerisches Ventil, das Hartmanns Namen für immer unsterblich machen sollte:
Stasoff organisierte eine Gedächtnisausstellung mit über 400 Werken von Victor Hartmann, mit Aqarellen, Gemälden und architektonischen Entwürfen. Mussorgskij, tief bewegt von der künstlerischen Kraft seines Freundes und aufgerührt durch diese große Ausstellung, begann, kaum zuhause angekommen, in einem Schaffensrausch wie im Fieber eine Klavier-Suite zum Andenken an seinen Freund zu schreiben: „Hartmann kocht in mir.. die Bilder, die Klänge, die Ideen hängen in der Luft und ich stürze sie in mich hinein, ich kann es kaum schaffen, sie ordentlich zu Papier zu bringen...wie großartig das alles wird, ...wunderliche Namen für die einzelnen Sätze, wunderlich wie die Bilder... und erst die Promenaden, ...Zwischenspiele in denen man meine eigene gedankenversunkene Gestalt sehen kann, wie ich in der Ausstellung von Bild zu Bild schreite“, schreibt er an Stasoff, „ ich glaube, das ist etwas geworden.“

Auf der Titelseite der Komposition vermerkt Mussorgskij:
Gewidmet Vladimir Vasilyevich Stasoff
Bilder einer Ausstellung
Modest Mussorgskij´s Andenken an Victor Hartmann, 1874
Für Dich den vorbildlichen, großartigen Organisator der Hartmann Ausstellung zur Erinnerung an unseren lieben Victor 27. Juli ´74

10 kleine Meisterwerke beschreiben 10 Bilder dieser Ausstellung. Davor und dazwischen, in den „Promenaden“, sieht man Mussorgskij, wie er die Galerie betritt und langsam durch die Ausstellung schlendert, mal gedankenschwer, mal beflügelt, wenn gerade ein neues Bild seine Aufmerksamkeit fesselt.

Sieben Jahre vor seinem Tode hat Mussorgskij

Modest Mussorgskij
dieses Werk vollendet, doch niemand nahm Notiz davon. War es zu ungewöhnlich, zu russisch für den damals ganz westlich orientierten Musikgeschmack?
Erst 5 Jahre nachdem er für immer die Augen geschlossen hatte, im Jahre 1876 wurde die Klaviersuite zum erstenmal aufgeführt. Ihr Farbenreichtum, ihre innere Kraft ihre Virtuosität und Vielfalt regten von Anfang an viele Komponisten an, das Werk für großes Orchester zu arrangieren.
1922 war es schließlich Maurice Ravel, der die Ideenwelt Mussorgskijs kongenial in eine Orchesterfassung übertrug, mit der der Triumphzug dieses Werkes durch die Konzertsäle der Welt begann. Heute gibt es wohl keinen großen Klaviervirtuosen, der dieses Werk nicht in seinem Repertoire hat und keinen großen Konzertsaal, in dem dieses Werk nicht schon erklungen ist.

Die Fassung, die wir spielten ist ganz ungewöhnlich und besonders fesselnd, weil wir das gesamte Werk von einem Sprecher begleiten liessen, der die Bilder beschreibt und die Gedanken schildert, die Mussorgskij beim Betrachten der einzelnen Bilder bewegen. Das ist wie Musik mit Untertiteln und macht dieses Werk für jeden noch spannender.

Bilder einer Austellungvon Modest Musorgskij
(1839 - 1881)
Sinfonisches Melodram für großes Orchester und Sprecher
in der Orchesterfassung von G.B. Buchner-Fritsch.
Sprecher: Joachim Sieper,
musikalische Leitung: Klaus Müller

1. Promenade,
2. Gnomus der Zwerg mit den krummen Beinen,
3. Promenade,
4. Das alte Schloss und der Troubador,
5. Promenade,
6. Die Tuilerien, spielende Kinder mit ihren Gouvernanten im Park von Paris,
7. Bydlo, der alte polnische Ochsenkarren,
8. Promenade,
9. Ballet der Küken in ihren Eierschalen,
10. Samuel Goldenberg und Schmuyle, der reiche und der arme Jude,
11. Der Marktplatz von Limoges,
12. Die Katakomben, Gräber im alten Rom, „...mit den Toten in der Sprache der Toten“,
13. Baba Yaga, die kleine Hexenhütte auf Hühnerbeinen,
14. Das große Tor von Kiew.

Ihr Besuch und Ihr begeisterter Applaus sind uns Ansporn für weitere große Herausforderungen!


Klangbeispiele