Am Sonntag, dem 22. Mai 2011, spielten wir unser letztes Konzert mit unserem Dirigenten Klaus Müller. Und es war ein Andrang, wie wir ihn noch nie erlebt hatten. Schade, dass nicht alle, die uns hören wollten, im neu gestalteten Studio des Bayer-Erholungshauses Platz finden konnten. Wir spielten:

Canzona für doppeltes Orchestervon Giovanni Gabrieli
Concerto a-moll für 6 Melodie-Instrumentevon Georg Philipp Telemann
Concertino für Altblockflöte und Orchestervon Gustav Gunsenheimer
Capriol - Suite für Kammerorchestervon Peter Warlock
Walzer Nr. 2 aus der Suite für Varieté-Orchestervon Dmitri Schostakowitsch

Mit uns musizierte eine ganze Schar junger Blockflötisten der Blockflötenklasse von Frau Ingeborg Rüttermann der Musikschule Leverkusen. Das waren 15 junge Damen und junge Herren im Alter von 10 bis 18 Jahren. Sie alle wollten ihre Virtuosität auf diesem jubilierenden Instrument zum Klingen bringen. Es war großartig. Der Applaus des Publikums wollte kein Ende nehmen.


Giovanni Gabrieli (1557 - 1612):seine Musik ist nun schon 450 Jahre alt. Er galt als musikalisches Phänomen im europäischen Musikleben. Zu ihm pilgerten die grossen Musiker seiner Zeit, um bei ihm und von ihm zu lernen, so auch Heinrich Schütz, der wiederum der Lehrer unseres grossen Johann Sebastian Bachs wurde.Die Zeit, in der Gabrieli lebte, war geprägt von Glanz und Pracht der Mächtigen. Seine Orgel in San Marco in Venedig, das donnernde Instrument der Posaunen Gottes, die Hörner, Trompeten und Pauken, kein Wunder, dass Giovanni Gabrieli der erste Musiker war, der genaueste Regieanweisungen für die Aufführungspraxis seiner Werke schriftlich festlegte. Die Canzona, die wir spielen, ist eines dieser Werke. Ursprünglich für zwei grosse Orchester mit vollen Bläsersätzen geschrieben, die im Wechselspiel von beiden Emporen von San Marco erklingen sollten, hat sie der Gabrieli Fan und neapolitanische Organist Franco Michele Napolitano so umgeschrieben, dass auch Kammerorchester wie das unsere, sie spielen können. Die Bläserstimmen im Orchester übernahmen natürlich unsere jungen Blockflötisten. Urklänge europäischer Musik.


Georg Philipp Telemann (1681 - 1767):Georg Philipp Telemann war hundertfünfzig Jahre später so etwas wie der POP-Musik-König des Barock. Seine Noten zu besitzen, war ein „Must Have" der Reichen und Schönen seiner Zeit. Alle Musikfreunde, die es sich leisten konnten, hatten Abonnements auf seine neuen Musikstücke gezeichnet. Auch seine Musikerkollegen wie Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel in London. Und Telemann verdiente gut dabei, und auch an seinen vielen offiziellen Ämtern. Er war Leiter der Hamburger Staatsoper, Generalmusikdirektor aller vier Hauptkirchen in Hamburg und Musikchef des Johanneums, der Gelehrtenschule für die reichen Kaufmannssöhne dieser ehrwürdigen Hansestadt.

Titelseite der ersten
Violinen
Heute weiss man, das Händel, sobald er neue Noten von Telemann bekam, mit Vergnügen Telemannsche Einfälle in seine eigenen Kompositionen übernahm und Telemann, der dies wußte, war stolz auf ein solches Zeichen der Anerkennung durch seinen Londoner Kollegen. Wir spielten von Telemann ein Concerto für sechs Melodieinstrumente mit Orchester. Wobei Telemann, damit die sechs Solisten auch wirklich brillieren konnten, die sechs Hauptstimmen nicht zusammen sondern immer nur zu zweit gleichzeitig erklingen ließ, wie Blumengirlanden, die sich umeinander ranken. Das war ein zauberhaft duftender Strauß barocker Frühlings-Musik. Die sechs Solisten in diesem Konzert waren natürlich unsere jungen Blockflötenspieler. Die graziöse Handschrift, die Sie hier sehen, ist leider nicht das Telemannsche Original. Das Original ist schon seit 200 Jahren verschollen. Aber es ist die Abschrift seines Freundes Johann Christoph Graupner, den Telemann kennenlernte, als er mit ihm gemeinsam in Leipzig Jura studierte, und es ist die Vorlage, nach der wir spielten.


Gustav Gunsenheimer geb. 1934: Von Gustav Gunsenheimer spielten wir ein Concertino für Alt-Blockflöte und Orchester. Als Sie dieses Konzert hörten, wurden Sie bestimmt an Gabrieli erinnert. Die ehern klar gegeneinander gesetzten Akkorde und die ungewöhnlichen rythmischen Akzente zeigen uns sofort, dass auch diese Musik von einem Anhänger der Kunst Gabrielis stammen muss.Und in der Tat, Gustav Gunsenheimer ist der bedeutendste Gegenwarts-Komponist für festliche Kirchenmusiken. Jeder, der schon einmal einen Posaunenchor in einer der protestantischen Kirchengemeinden Deutschlands gehört hat, hat fast sicher Gunsenheimersche Klänge vernommen. Gunsenheimer wurde für sein Wirken für die neue Kirchenmusik sogar mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Wir spielten von Gunsenheimer ein ganz fröhlich weltliches Konzert, das er 1967 am Mozarteum in Salzburg für Blockflöte und Kammerorchester zu Papier gebracht hat, und das seither überall von vielen jungen Blockflötisten und kleinen Orchestern gespielt wird.


Peter Warlock (1894 - 1930): Peter Warlock aus England, der nur 36 Jahre alt wurde und der eigentlich Philip Arnold Heseltine hiess, ist der Komponist der Suite für Kammerorchester „Capriol", die wir als letztes Stück in unserem offiziellen Programm spielten.

Peter Warlock
Eigentlich sagt schon der Name „Capriol", dass dies ein funkelndes Bravourstück ist, in dem die Streicher brillieren und so richtig gefordert sind. Suite heisst ja immer: eine muntere Folge von kleinen Tanzsätzen. So herrlich eingängig die Melodien klingen, so munter der Rythmus purzelt und die Variationen sich aneinander reihen, so folgt doch Peter Warlock, der Verehrer der alten elisabethanischen Musik und der Poesie der Kelten, mit der Auswahl seiner Tanzsätze ganz bewußt den alten Meistern. Und so spürte man auch hier den roten Faden unseres Frühlingskonzertes.


Zugabe: Dmitri Schostakowitsch (1906 - 1975)
Waltz Nr.2:
Von Schostakowitsch hatten wir einen ganz besonderen Tanzsatz als Zugabe in unserem Programm. Wenn schon Tanz, dann musste es doch auch ein Walzer sein. Und so schlossen wir unser Programm mit einem Walzer, der uns alle ins Schwingen bringen sollte, mit einer Melodie, die Sie alle kennen und von der kaum einer weiss, dass sie einer der alten schwermütigen Weisen der russischen Volksmusik entlehnt ist. Der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch hat sie 1955 geschrieben.Sie ist ein Teil einer seiner in der ganzen Welt gespielten Orchestersuiten, der Suite für Varieté-Orchester, mit der der grosse Symphoniker Schostakowitsch seiner musikantischen Freude an der Musik der Jugend, an der Musik unserer Zeit und der Musik seines Volkes Ausdruck verliehen hat. Erst 13 Jahre nach seinem Tode wurde die Suite in London vom London Symphony Orchester uraufgeführt. Und diese Suite wurde sofort so populär, dass sie Stanley Kubrick in seinem letzten Film, mit Nicole Kidman und Tom Cruise in den Hauptrollen, sogar als Filmmusik verwendet hat.
Wehmütige Abschiedsklänge für unseren scheidenden Dirigenten.




Das war unser letztes Konzert mit Klaus Müller.
Danke lieber Klaus!



Klangbeispiele